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03.09.2007

Stillstandslogik - IUF Kommentar 19/07

Matthias Bosbach, IUF

Für Anfang September sollen nach Berichten der Tagesschau nach den Preiserhöhungen bei Milch und Butter auch Quark, Käse und Milchspeiseeis folgen. Durch die Bank weg werden sich Politiker empört zeigen. Rufe nach Preiskontrollen könnten laut werden, Sozialverbände werden wohl hysterisch auf den Zerfall der Gesellschaft in zwei Klassen verweisen, die sich Butter zu über einem Euro das Stück leisten kann oder nicht.  

 

Es gibt einen Trend in der deutschen Gesellschaft Veränderungen als negativ zu empfinden. Dabei ist es das Merkmal der Moderne nicht nach hinten zu schauen, sondern das bestehende durch Neues beständig zu verbessern. Das bedeutet Experiment und Risiko, oft auch Fehlschlag. Doch heute darf es kein Risiko mehr geben, alles muss überschaubar und kontrollierbar sein. Also soll alles am besten so bleiben, wie es ist. Und doch gibt es kaum etwas beschränkteres, als Dinge nicht nach ihren tatsächlichen Auswirkungen zu beurteilen, sondern nach der Menge von Veränderungen, die sie mit sich bringen. Letztendlich kann man es dieser Weltsicht nie recht machen.  

 

Nur ein Beispiel dazu: China. Was gab es nicht alles an schlechter Presse wegen Ausbeutung und unfairem Wettbewerb. Hätte man es den Kritikern recht machen wollen, hätte man Löhne und Umweltstandards wie in Deutschland eingeführt. Und hierzulande überhaupt keine Arbeitsplätze abgebaut. Damit hätte niemand in China investiert - das Land wäre bitterarm geblieben.  

 

Doch wer ackert, der erntet: mittlerweile werden gerade qualifizierte Arbeitskräfte in China knapp, die Löhne steigen dramatisch. Und wem es besser geht, der will besser leben: in China kauft man sehr viel mehr Milch, um sich besser zu ernähren. Warum auch nicht? Milch ist gesund. Weil aber die weltweite Produktion nicht mitkommt, verknappt sich das Angebot - die Preise für Milch und Milchprodukte steigen, weltweit.  

 

Will man es jetzt den Kritikern recht machen, müsste man Milchexporte nach China verhindern. Sollen die doch selber sehen, woher sie ihr Calcium kriegen! Es ist unmenschlich, uns sage und schreibe fünf bis zehn Cent pro Liter, also unvorstellbare 0,01 Euro pro Glas Milch mehr abzuverlangen! Konsequenz der steigenden Nachfrage wird aber sein, dass sich weltweit die Produktion von Milch und Milchprodukten erhöht. Anders gesagt: es wird mehr Bauernhöfe und mehr Kühe in der EU geben, die ja bereits das zur Deckelung der Produktion ersonnene System der Milchquoten abschaffen will. Das war seinerzeit eingeführt worden, weil Proteste gegen „Milchseen" durch die Medien gegangen waren.  

 

Wie dann die Kritik dagegen lauten wird, bleibt abzusehen. Aber es könnte gut sein, dass sie von genau den Leuten kommt, die sich noch vor kurzem über das „Bauernsterben" beschwert haben.  

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