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Mehr Regulierung

Roland Gast

Damit keine Missverständnisse aufkommen: die Bundeskanzlerin und Herr Sarkozy konnten sich mit ihren Forderungen nach stärkerer Regulierung der Finanzmärkte, nach Eindämmung von Steueroasen auf dem Gipfel der G20 durchsetzen. Zumindest laut Frau Merkels persönlicher Website. Damit scheint sie den Nerv treffen zu wollen. Man scheint sich in den Medien, der Politik und sogar der Wirtschaft geeinigt zu haben, dass nur mehr Regeln die momentane Krise hätten verhindern können. O mea culpa, o mea maxima culpa ist die Überschrift so mancher Rede aus der Finanzecke.  

 

Aber hilft das so wirklich? Zwei Annahmen sprechen dagegen, dass die momentane Regulierungswelle all das halten wird, was sie verspricht.  

 

Zum einen gehen Befürworter strengerer Regulierung (oft) davon aus, dass sich Märkte durch Regulierung problemlos leiten lassen. Das eigentliche Problem, sagen sie, waren die nicht regulierten Bereiche des Systems, und die Tatsache, dass viele Regulierer auf den einzelnen Marktteilnehmer, nicht aber auf das System als ganzes schauten. Deswegen müsse man z.B. Hedge funds regulieren und einen Systemregulierer schaffen (so wie das auf dem G20-Gipfel vereinbarte Financial Stability Board). Das zeige ja auch schon positive Wirkung, heißt es. So versuchten so gut wie alle großen Banken ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen, weit höher sogar, als es die strengeren Regeln vorschrieben. Dadurch könnten Verluste im Kreditgeschäft besser aufgefangen werden, eine Fähigkeit, an der es ja sehr gemangelt habe in letzter Zeit. Man müsse eben nur einen kräftigen Schubs geben...  

 

Was diese Analyse der Verhältnisse übersieht, ist, dass Markteilnehmer sich in aller Regel möglichst profitabel aufstellen möchten. Dabei ist Regulierung ein wichtiger Faktor, aber längst nicht der einzige. So ist der eigentliche Grund für die massiven Erhöhungen der Eigenkapitalquote nicht etwas das neue Regelwerk, oder ein neu entdecktes Schamgefühl ob all der massiven Staatshilfe. Es verlangen nur momentan schlicht und ergreifend alle, die im Markt etwas zu sagen haben, mehr Sicherheitskapital. Man erwartet bei der schlechten Wirtschaftslage hohe Verluste und will diese abgefedert wissen. Wer da nicht mitspielt, wird massiv bestraft durch schlechtere Konditionen - und die will gerade niemand. Für diesen Effekt bräuchte es keine neuen Regeln, keinen G20-Gipfel.  

 

Dass Regulierung nur einer von vielen Faktoren ist, die auf den Markt einwirken, und dazu bei weitem nicht der dynamischste, wird sich sehr schön zeigen, sobald die Krise überwunden ist und statt Weltuntergangsstimmung nur noch Siegesmeldungen an allen Fronten verkündet werden.  

 

Denn, zum anderen, anders als es gerade als gegeben angenommen zu werden scheint, funktionieren Märkte in der Krise ganz gut. Exzesse auskurieren, Talent und Geld von ruinierten in zukunftsfähige Branchen umschaufeln, das schafft die Privatwirtschaft immer noch besser als der Staat. Und genau einen solchen Prozess bräuchte es momentan wohl. Doch statt zu gestatten, dass unsere Wirtschaft sich schneller erholt, sobald der Aufschwung wieder da ist, bereitet man sich in der Politik auf einen neuen Kohlepfennig vor.  

 

Das ist falsch verstandener Eifer. Die Aufgabe der Politik wäre es, wenn es allen gut geht, in aller Ruhe die Bewältigung des nächsten Abschwungs vorzubereiten. Z.B., indem Reserven angelegt werden. Im letzten Boom war die Berliner Politik allerdings zu sehr mit dem Verteilen zusätzlicher Steuereinnahmen beschäftigt, um groß daran zu denken. Dabei ist es in typischen Boomphasen nötig, dass irgendjemand irgendwann darauf hinweist, dass die Weltwirtschaft nicht unbegrenzt jedes Jahr rekordverdächtig wachsen kann, sondern dass Pausen eingelegt werden oder schlechte Zeiten kommen können. Übrigens oft aus dem Bereich, von dem man es am wenigsten erwartet. Weswegen die in der letzten Krise verabschiedete Regulierung inzwischen meist nicht mehr viel hilft.  

Doch auch hier war das Gegenteil der Fall. Wer hat denn im letzten Boom darauf hingewiesen, dass die Vergabe von Milliarden Hypothekengeldern an Leute ohne sichere Jobs keine gute Idee ist? Damals verlangte der Markt von allen Banken, möglichst wenig Sicherheitskapital auf die hohe Kante zu legen - das bedeutete doch, das Geld nicht zu investieren, und das kostete Zinsen! Also wollten alle Deregulierung, damit das nicht mehr vorkam. Und wo waren sie da, die Regulierer? In Deutschland war man viel zu sehr besorgt um das Überleben der Landesbanken, als dabei groß etwas einzuwenden. Die waren nämlich zu klein, um nicht auf genau diese weltweiten Finanzströme angewiesen zu sein, die dann plötzlich weg waren.  

 

Ob die momentanen Beteuerungen von Mäßigung und Voraussicht etwas wert sind, wird sich entscheiden, wenn im Jahr 2015 die Wirtschaft boomt und ein Analyst in Basel oder Wien behauptet, die Vergabe von Krediten müsse sofort aufhören.  

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Thomas Jefferson (1743-1826)

"I would rather be exposed to the inconveniences attending too much liberty than to those attending too small a degree of it."

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